Erneute Aussetzung der Insolvenzantragspflicht

Mit einer erneuten Anpassung des CovInsAG hat die Bundesregierung die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht gem. § 15a ff InsO für bestimmte Unternehmenssituationen bis zum 31.01.2021 verlängert.

Existenzbedrohung durch gesunkene Einnahmen bei weitgehend unveränderter Kostenstruktur

Durch die Corona-Pandemie und die zu ihrer Bekämpfung verhängten Maßnahmen ist die Mehrzahl der bundesdeutschen Unternehmen derzeit wirtschaftlich massiv beeinträchtigt: Die Umsätze brechen weg, aber die Kosten laufen zu großen Teilen weiter und zehren die Liquidität Monat für Monat auf. Der Bund hat umfassende Unterstützungspakete geschnürt, (eine Übersicht findet sich hier), aber die Bewilligung und Auszahlung der Unterstützungsleistungen nimmt für viele Unternehmen (zu) viel Zeit in Anspruch. In der Konsequenz fragen sich inzwischen viele Geschäftsführer und Vorstände, ob sie einen Insolvenzantrag stellen müssen, noch bevor sie die rettenden Beihilfen (insbesondere November- und Dezemberhilfe) erlangen können.

Die Antwort lautet: Nein! Allerdings mit Einschränkungen!

Die Insolvenzantragspflicht ist unter bestimmten Voraussetzungen bis zum 31.01.2021 ausgesetzt.

In einer Ergänzung des CovInsAG hat der Bund noch im Dezember beschlossen, die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht nochmals bis Ende Januar 2021 zu verlängern. Jedoch wird die Pflicht, einen Insolvenzantrag zu stellen, nicht generell aufgehoben, sondern wird ausschließlich unter den folgenden Voraussetzungen ausgesetzt:

  1. Die Insolvenzreife muss auf den Folgen der Corona-Pandemie beruhen.
  2. Es muss die begründete Aussicht auf Erlangung der Hilfeleistung bestehen.
  3. Die Insolvenzreife muss durch die Hilfeleistung auch beseitigt werden können.

Es geht hier um die Insolvenzgründe Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Somit wird den betroffenen Unternehmen zusätzliche Zeit zur Erlangung der Hilfsmittel verschafft. Eine Verlängerung der ausgesetzten Antragspflicht über den 31.01.2021 wird aktuellen Presseberichten zufolge seitens des Bundesjustizministeriums geprüft.

Wichtiger Hinweis: Für alle anderen Unternehmen, welche die obengenannten Voraussetzungen nicht erfüllen, gelten allerdings die bestehenden, und zum 1. Januar 2021 modifizierten, Regeln zur Insolvenzantragspflicht unverändert fort.

Bei Bedarf hilft ein erfahrener Lotse, Handlungsoptionen aufzuzeigen und Haftungsrisiken zu vermeiden

Gerade in der aktuellen Wirtschaftssituation kann ein klärendes Gespräch mit einem im Sanierungs- und Insolvenzrecht erfahrenen Berater (z.B. Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Insolvenzverwalter) helfen, welche Maßnahmen in der jeweiligen Unternehmenssituation kurzfristig ergriffen werden müssen, um sicheren Haftungsausschluss für die Geschäftsleitung zu gewährleisten. 

Neue Handlungsoptionen können sich auch aus dem zum 1. Januar 2021 eingeführten Unternehmens- und Stabilisierungsgesetz (kurz StaRUG) ergeben, mit dem ein zusätzliches Instrument zur außergerichtlichen Unternehmenssanierung zur Verfügung steht.